Christo verpackte die Welt

Zeitgenössische Kunst

Christo verpackte die Welt

Im Mai dieses Jahres verstarb mit dem bulgarischen Künstler Christo einer er wichtigsten und bekanntesten zeitgenössischen Kunstschaffenden der Gegenwart. Er war gemeinsam mit seiner Frau Jeanne-Claude für ihre spektakulären Verhüllungsinstallationen berühmt geworden. Der verhüllte Berliner Reichstag im Jahr 1995, die schwimmende, mit Nylongewebe bezogene Stege auf dem Wasser des Iseo-Sess in der Lombardei mit dem Namen „Floating Piers“, und die safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park mit dem Namen „The Gates“ zählten zu jenen Werken, die weltberühmt wurden. Christo starb im Alter von 84 Jahren in seiner Wahlheimat New York.

Sein letztes großes Werk wird fortgeführt

Dies gab sein Management auf dessen Webseite und auf Twitter bekannt. Es würdigte den Künstler, als einen Menschen, der sein Leben in vollen Zügen gelebt habe. Er habe nicht nur vom Unmöglichen geträumt, sondern dieses auch realisiert. Mit seiner Kunst und jener seiner Gattin Jeanne-Claude habe er es geschafft Millionen Menschen auf der ganzen Welt zusammenzubringen. Sein Werk werde nun in aller Herzen und Erinnerungen weiterleben. Damit beschrieb diese letzte Widmung sehr schön die künstlerischen Visionen Christos und dessen Entstehung. Zunächst oft verlacht und als unmöglich verkannt, realisierte er seine Träume gegen alle Widerstände. Die beiden großen Persönlichkeiten hatten in der Vergangenheit immer wieder betont, dass ihre Kunst auch nach ihrem Ableben für die Menschheit weiterbestehen sollte. Sein letztes großes Werk, das für den September 2021 in Paris geplant war, konnte Christo nun nicht mehr selbst realisieren. Er wollte mit der Installation „L’Arc de Triomphe, Wrapped“ den Paris Triumphbogen verhüllen. Dies wird nun jedoch, wie von ihm ersehnt, trotzdem stattfinden. Darüber hinaus soll noch in diesem Jahr im Centre Georges Pompidou eine Ausstellung über das Leben und Werk von Christo eröffnet werden. Der Start ist für 1. Juli 2020 geplant.

Das Power-Duo verzauberte die Welt

Christo wurde am 13. Juni 1935 im bulgarischen Gabrowo geboren. Sein voller Name lautete Christo Wladimirow Jawaschew. Im Alter von nur 22 Jahren wanderte er von Prag, nach Wien in den Westen aus. Er ging zunächst nach Genf und anschließend nach Paris. Sein erstes „Verpackungsopfer“ war 1958 eine Farbdose. Diese umgab er mit einer in Harz getränkten Leinwand, verschnürte sie und behandelte sie mit Sand, Firnis und Leim. In der französischen Hauptstadt lernte er auch seine Partnerin Jeanne-Claude Denat de Guillebon kennen und lieben. Die beiden heirateten und traten seitdem als kreatives Künstlerpaar weltweit auf. 56 Jahre lang zogen sie um die Welt und brachten die Menschen mit ihren spektakulären Projekten zum Staunen. Als die aus Casablanca in Marokko stammende Jeanne-Claude im Jahr 2009 an einer Hirnblutung verstarb, war Christo seitdem solo als Künstler aktiv. Sie war übrigens am selben Tag wie Christo selbst geboren und wurde 74 Jahre alt.

Die Vergänglichkeit des Seins prägte seine Arbeit

Christo erinnerte zeit seines Lebens an die Vergänglichkeit des Seins. „Es wäre irgendwie naiv und arrogant zu glauben, dass Dinge für immer bleiben“, sagte er einmal. Konsequent wie Christo nun einmal war, recycelte er beispielsweise alle Materialien seiner Installationen. Seine Werke waren deshalb so intensiv, weil sie verschwanden, genauso wie Teile unseres Lebens. Sie hatten alle eine Dimension des Fehlens. So war der Künstler überzeugt davon, dass man echte Kunst nur für sich selbst gestalten würde. Alles andere wäre seiner Meinung nach nur Propaganda. Er sah seine Arbeit als aufregendes und törichtes Abenteuer. Dabei verstand er sich ganz besonders auf die Kunst der Verführung. Diese setzten Künstler und Medienschaffende genauso ein, wie Spielanbieter. Auf der Pokerstarscasino Webseite findet sich diese Technik, ebenso wie in Frauenzeitschriften oder TV-Serien. Christo war jedoch, anders als viele seiner Kollegen, Kapitalist. Er bekannte sich offen zu dieser Gesellschafts- und Wirtschaftsform. So finanzierten er und seine Partnerin ihre Projekte durch den Verkauf von Vorzeichnungen, Skizzen und Objekten. Diese finanzielle Unabhängigkeit gab ihnen den Freiraum ihre Installationen oftmals auch gegen den Widerstand von Behörden und Umweltschützern durchzusetzen. Am Ende sollten Christo und Jeanne-Claude immer Recht behalten. Lediglich einmal scheitere er mit einem ambitionierten Projekt. Nach über 20 Jahren Arbeit und Kosten von 15 Millionen Dollar gab Christo sein Werk „Over The River“ in den USA unter Protest auf.

5 Millionen Besucher wollten den verhüllten Reichstag sehen

In Deutschland wurden Christo und Jeanne-Claude vor allem durch die Verhüllung des Reichstages einer breiten Öffentlichkeit bekannt. 1995 nutzen die beiden insgesamt 100.000 Quadratmeter Stoff, um diesen vollständig zu verhüllen. Die Aktion gilt bis heute als eines der größten Meisterwerke der beiden Aktionskünstler. Sie lockte unglaublich fünf Millionen Besucher aus aller Welt an und demonstrierte nachdrücklich, dass in der Kunstwelt tatsächlich nichts unmöglich ist. Christo hatte von Beginn seiner Karriere an großes Interesse an Deutschland. Das lag seiner eigenen Aussage danach daran, dass er im Jahr 1961 seine erste Einzelausstellung in Köln hatte. Darüber hinaus gab es bereits seit seiner Flucht aus dem Westen in Deutschland viele Museumsleute und Sammler, die an seinen Werken überaus interessiert waren. Lange Jahre plante er zunächst die Verhüllung der Berliner Mauer. Nach dem Fall der Mauer sah er die Chance gekommen, den Reichstag aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken. Der Rest der Erzählung ist Geschichte. Sein Projekt wurde, wie von ihm gewünscht, zu einem Ausdruck von Hoffnung und demokratischer Überzeugung.

Berliner Mauer